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Wilfried Gruhn
Wir müssen lernen, in Fesseln zu tanzen
Leo Kestenbergs Leben zwischen Kunst und Kulturpolitik

Leo Kestenberg war ein Repräsentant des intellektuellen deutschen Judentums, das europäische Aufklärung mit jüdischem Geist verband. Das Wissen um die Bedeutung seiner pianistischen, musikpädagogischen wie bildungspolitischen Leistungen droht allmählich zu verblassen, obwohl die Auswirkungen seiner Reformen auf den schulischen Musikunterricht und außerschulischen Instrumentalunterricht sowie auf die internationale Ausrichtung der Musikpädagogik bis heute spürbar sind. Dem Schüler Busonis und Freund Artur Schnabels schien eine glänzende pianistische Karriere vorgezeichnet zu sein, doch er widmete sich als Sozialist in den sozialdemokratischen Bildungsausschüssen und dann verstärkt als preußischer Ministerialbeamter ganz der Volksbildung, indem er in der Freien Volksbühne Berlin mitarbeitete und eine weitreichende Reform des alten Gesangunterrichts an Schulen einleitete. Die hier vorgelegte Biographie beruht auf Kestenbergs Schriften und schließt seine umfangreiche Korrespondenz und alle Dokumente aus dem Nachlass ein. Daraus erwächst eine neue Würdigung dieses Künstlers und Pädagogen, Bildungspolitikers und Reformers, der als europäischer Intellektueller mit vielen Künstlern und Wissenschaftlern seiner Zeit in Verbindung stand. Nach seiner Emigration nach Palästina 1938 wurde er zum zweiten Mal zum Reformer, Lehrer und Organisator, der die israelische Musikerziehung neu begründete. Seine nachhaltige Wirkung auf die Bildungspolitik und das Musikwesen in Deutschland wie in Israel bietet ein Beispiel für die große Bedeutung jüdisch aufgeklärten Geistes auf die Kultur- und Geistesgeschichte Europas.

240 S., Abb., geb., € 28.–, 978-3-95593-062-2

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