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Sinefonia

Cordula Paetzold
Carceri d’Invenzione
von Brian Ferneyhough

Sinefonia, Band 14

Das Thema dieser Arbeit ist der 1986 fertig gestellte siebenteilige Zyklus Carceri d‘Invenzione von Brian Ferneyhough. Detaillierte Analysen stellen dabei verschiedene Facetten der „New Complexity“ genannten Kompositionstechnik vor. Hierfür wurden erstmals die kompletten vorhandenen Skizzen des Zyklus umfassend untersucht. Neben einem Gesamtüberblick liegt der analytische Schwerpunkt daher auf den Eigenheiten eines jeden Stücks.
Im Anfangsstück Superscriptio für Piccolo Solo bestimmt eine Zahlenreihe gewisse Parameter von der Gesamtform des Stücks über die Anordnung der Takte bis hinunter zur rhythmischen und melodischen Feinstruktur. Ein gegenteiliger Weg wird mit dem Schlussstück Mnemosyne für Bassflöte und Zuspielband beschritten: Aus einer kleinen Zelle heraus wird sukzessive ein dichtes Netzwerk aus Abhängigkeiten gesponnen, vom einzelnen Takt bis hinauf zur metrisch-formalen Ebene. Die mittleren Stücke des Zyklus sind weniger konsequent, dafür individueller konstruiert. An Carceri d’Invenzione I für Kammerorchester lässt sich die kreative Verwendung der acht Grundakkorden (bzw. Zahlenreihen) des Zyklus ideal zeigen; Carceri d’Invenzione II für Soloflöte und Kammerorchester ist durch seine 48 Module und deren teils modifizierte Wiederkehr ein Musterbeispiel für den Umgang mit dem Material; „Trigger“-Attacken im Sinne eines „irregulären Metronoms“ schließlich bilden die Grundlage für Carceri d’Invenzione III für 15 Bläser und Perkussion. Darüber hinaus bietet die letzte der neun Etudes Transcendentales einen Einblick in den erstaunlichen Umgang mit Text.
Angeregt wurde der Zyklus durch die gleichnamigen Radierungen des italienischen Barock-Architekten Giovanni Battista Piranesi, der verschiedene Formen des Gefangenseins und der Befreiung in all ihrer Dynamik aufzeigt. Mit einem kurzen Blick darauf und auf die Aussagen des Komponisten wird versucht zu beschreiben, was Ferneyhoughs Intention bei diesen Kompositionen war und wie ihm deren Umsetzung gelungen ist.

456 S., Notenbeisp., Farbtafeln, Pb., € 59.– 978-3-936000-74-0

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